Ökologisches Saatgut in der Diskussion

Mit Genuss & Verantwortung

Unter dieser Überschrift hatte die BUND-Kreisgruppe Pinneberg zu einer Auftakt-Veranstaltung zum Thema „ökologisches Saatgut“ am 24. Oktober 2014 in Elmshorn eingeladen.

Mit etwa 40 Gästen und mit Arne von Schulz (Betriebsleiter Domäne Fredeburg) als Fachreferent sowie Wilfried Schümann (Demeterhof) war es eine gelungene Vortrags- und Diskussionsveranstaltung.

Ausgangspunkt für diese Veranstaltung war die Erkenntnis, dass es auch im Kreis Pinneberg viele ökologische Problemlagen gibt: belastetes Grundwasser z.B. durch Glyphosat, ein verdichteter Siedlungsraum mit immer kleineren, versiegelten Grundstücken, die Abnahme heimischer Blühpflanzen in Gärten und Äckern sowie ein Rückgang der Artenvielfalt. Hinzu kommt, dass es nicht einfach war, ökologisches Saat- und Pflanzengut im Kreisgebiet (Gartenzentren, Wochenmärkten) zu beziehen. Diese Eindrücke haben wir zum Anlass genommen, uns in einer öffentlichen Veranstaltung zu der Thematik schlauer zu machen und mit allen Beteiligten über Problem- und Lösungsansätze zu diskutieren. Das Thema „ökologisches Saatgut“ soll dabei Anlass und Vehikel für eine kritische Diskussion sein und zu einem bewussteren Konsumverhalten und Lebenswandel anregen.

Arne von Schulz hat in einem sehr interessanten Fachvortrag die unterschiedlichen Zuchtmethoden von der bäuerlichen Erhaltungszüchtung über die (ökologischen)-regionalen Saatgutzüchter bis zu den Methoden der „industriellen“ Zuchtverfahren dargestellt und deutlich auf die vielfältigen Vorzüge der „klassisch-bäuerlichen“ Methoden hingewiesen.

Saatgut ist immer auch ein Kulturgut und darf weder patentiert noch privatisiert werden, wie es zunehmend von Saatgutkonzernen versucht wird. Die Einschränkung der Nachbaumöglichkeiten und die Nutzung der Patentrechte sind dabei schon oft Realität. Mit einer Patentierung erhalten die Inhaber (also Saatgutkonzerne) das Exklusivrecht an der kommerziellen Nutzung des Saatgutes von Grundnahrungsmitteln, dominieren damit den Markt und bringen die bäuerliche Landwirtschaft und die Verbraucher in eine starke Abhängigkeit. Die ökologischen Zucht- und Anbaumethoden sind nachgewiesenermaßen boden- und ressourcenschonender als die der agrarindustriellen Wirtschaftsweise. Die Belastungen der Böden, der Luft und des Wassers sind hier erheblich und wirken oft fatal: z.B. entwicklen sogenannte „Unkräuter“, die durch Pestizide bekämpft werden, Resistenzen, gegen die wiederum kein mehr Mittel wirkt.

Inzwischen ist es auch nachgewiesen, dass durch eine nachhaltige Landwirtschaft mit ihren jeweiligen regionalen Spezifika und Kenntnissen die gesamte Weltbevölkerung ernährt werden kann (siehe auch der Film „Zukunft Pflanzen“, ARTE).

Neue samenfeste Sorten entstehen durch fortwährende Selektion unter Berücksichtigung regionaler Besonderheiten und können lokal weiter gezüchtet und entwickelt werden. Neue Techniken der Saatgutproduktion wie Gentechnik, Smart Breeding, u. a. werden vorwiegend von Saatgut- und Chemiekonzernen vorangetrieben und umgesetzt, die damit auch gleichzeitig das ausschließliche Patentrecht für das neue „Produkt“ anstreben.

Durch die zunehmende Konzentration der Saatgutentwickler entstehen große Abhängigkeiten der lokalen Anbaubetriebe von den Konzernen und es droht ein massiver Verlust der Artenvielfalt. Statt 4000 Zuchtbetriebe vor 40 Jahren beherrschen jetzt etwa zehn Saatgutkonzerne wie Bayer und Monsanto 90 Prozent des weltweiten Marktes für Saatgut.

Diese Abhängigkeit von den Saatgutkonzernen umfasst nicht nur das Saatgut, sondern auch den oft notwendigen Zukauf der künstlichen Düngemittel und Pestizide. Falls wir an den Folgen dieser Zucht- und Anbaumethoden erkranken, produzieren die gleichen Chemiekonzerne auch die dann erforderlichen Medikamente. Dadurch ist auch die bäuerliche Wirtschaftsweise weltweit massiv bedroht – und damit letztlich auch die biologische Vielfalt, so Wilfried Schümann (Schümannhof).

Die Verbraucher haben es selbst in der Hand, wie sie leben und essen wollen: industriell vorgefertigte bzw. Fertignahrung aus dem Tiefkühlfach oder eben doch aus der regionalen und saisonalen Produktion. Letztlich geht es doch auch um Genuss und Wertschätzung der regional produzierten Früchte – ob aus dem eigenen Garten oder dem lokalen  Verbrauchermarkt – und auch um den Respekt für sich selbst und für die regionalen Produzenten. Es geht um einen deutlichen Paradigmenwechsel von der Entkoppelung, Ökonomisierung und Globalisierung von Lebensmittelproduktion und Verbrauch hin zu regionalen Wirtschaftskreisläufen, Gestaltungs- und Verantwortungsübernahme für die Menschen vor Ort.

Abschließend wurde vereinbart, dass die BUNDKreisgruppe Pinneberg zu diesem Themenkreis eine Arbeitsgruppe einrichten wird, um Lösungsansätze zu konkretisieren und nachhaltig umzusetzen – beispielsweise eine offensivere Vermarktung von ökologischem Saat- und Pflanzengut in der Region. Eine gute Idee für Kreisgruppen im ganzen Land.

Dieter Peters-Kühnel
dieter.peters-kuehnel@posteo.de
Broschüre zum Thema ökologisches Saat- und Pflanzengut

 



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