Dezember 2013

Fehlentwicklung    

Energiepflanzenanbau

Eine Information der BUND-Kreisgruppe Pinneberg


Die industrielle Landwirtschaft ist mit zahlreichen Kollateralschäden verbunden.
Um nur ein paar wenige zu nennen:

·      Nitrat und Pestizidrückstände in Gewässern, im Grundwasser und letztlich auch im Trinkwasser.

·      Enorme Treibhausgas-Emissionen (133 Mio t im Jahr 2006 = 13,3 % der gesamten THG-Emissionen in Deutschland) nicht nur durch den hohen Energieverbrauch der industriellen Landwirtschaft, sondern auch durch Bewirtschaftung von Moorböden.

·      Massiver Artenrückgang bei Flora und Fauna in der Agrarlandschaft.

·      „Export“ von Umweltschäden durch Futtermittelimporte u.a. zur Erzeugung von Billigfleisch.

Politik und Bauernverband sagen uns: „Da die Bevölkerung viel Fleisch und billige Lebensmittel will, müssen solche Kollateralschäden hingenommen werden. Eine umweltverträgliche Landwirtschaft können wir uns leider nicht leisten, denn dann wären die Preise höher und die Erträge niedriger, was noch höhere Futtermittelimporte zur Folge hätte.“ Klar, wenn dann auch noch der Energiepflanzenanbau immer mehr Fläche beansprucht (Steigerung von 1,7 Mio ha im Jahr 2009 auf 2,15 Mio ha  = 18,2 % der Ackerfläche im Jahr 2012), werden die o.g. Probleme verstärkt und neue geschaffen:

·      Landverknappung, steigende Pacht- und Bodenpreise, die insbesondere von Biolandwirten nicht mehr bezahlt werden können. Biolebensmittel werden bei steigender Nachfrage zunehmend importiert.

·      Immer mehr Energiemais-Monokulturen mit (im Vergleich zu anderen Kulturen) besonders hohen Kollateralschäden.

·      Grünlandumbruch für neue Maisfelder.

·      In Schleswig-Holstein sind ¾ der Maisäcker überdüngt. Eine der Hauptursachen: Gärreste aus Biogasanlagen. Folge: Massive Nitratbelastungen (Plusminus, Start bei 19:00 Minuten) in Oberflächen- und Grundwasser.

Politik und Bauernverband sagen uns: „Auch das muss hingenommen werden, denn wir müssen das Klima schützen.“ Klar, klingt glaubwürdig, insbesondere vor dem Hintergrund, dass die deutsche Regierung gerade wieder strengere CO2-Werte für PKW auf EU-Ebene verhindert hat. Und wenn dem Bauernverband entgegen gehalten wird, dass der wirksamste Klimaschutz, den die Landwirtschaft leisten könnte, eine Renaturierung von Mooren wäre, will er urplötzlich vom Klimaschutz nichts mehr wissen (Ackerbau auf Moorböden: ca. 0,5 Mio ha, dadurch CO2-Emissionen aus dem Boden von etwa 20 Mio t / Jahr).

Aber ist das Argument (der Klimaschutz), mit dem der Energiepflanzenanbau gerechtfertigt wird, überhaupt zutreffend? Vordergründig ja, denn schließlich setzen Energiepflanzen beim Verbrennen nur so viel Kohlendioxid (CO2) frei, wie sie vorher beim Wachsen aus der Luft aufgenommen haben. Doch sobald man etwas genauer hinschaut, erkennt man zahlreiche

indirekte Klimaschäden durch den Energiepflanzenanbau, die in den „offiziellen“ Betrachtungen und Bilanzen der Allianz aus Politik und Lobbyisten nicht vorkommen. Ein paar Beispiele:

·      Biodiesel aus indonesischem Palmöl ist bis zu achtmal schädlicher für das Klima als fossiler Diesel, weil dort zur Anlage von Palmölplantagen Torf-Regenwälder zerstört werden.

·      Biodiesel aus Raps ist nach einer Studie von Paul Crutzen bis zu 1,7 mal schädlicher für´s  Klima als fossiler Diesel.

·      Bioethanol aus Brasilien ist nach einer Studie von Timothy Searchinger etwa 1,5 mal schäd-licher für´s Klima als fossiles Benzin, weil für Zuckerrohrfelder Regenwald zerstört wird.

Auch der Anbau von Biogas-Pflanzen in Deutschland (derzeit rund 1 Mio ha, überwiegend Mais) verursacht indirekt zahlreiche Klimabelastungen:

·      Grünlandumbruch hat erhöhte bodenbürtige CO2-Emissionen zur Folge, insbesondere wenn es sich um Moor-Standorte handelt.

·      Moor-Renaturierungen werden erschwert. Die Vermeidung landwirtschaftlicher CO2-Emissionen durch Erhaltung solcher Kohlenstoffspeicher wird so verhindert.

·      Wo Energie-Mais wächst, können keine Futterpflanzen wachsen. Folge: Steigende Importe von gentechnisch verändertem, mit Glyphosat-Rückständen belastetem Soja zur Futtermittelherstellung. Zur Anlage der Sojafelder werden beispielsweise in Südamerika Regenwälder und andere Naturwälder zerstört mit katastrophalen Folgen für das Klima.

Wohlgemerkt – in dieser Auflistung sind nur negative Auswirkungen des Energiepflanzenanbaus auf das Klima genannt, um das Märchen von dessen Klimafreundlichkeit zu widerlegen. Hinzu kommen die negativen Folgen für die Natur und die Umwelt. Schon ohne Berücksichtigung indirekter Effekte ist die Energiebilanz der Nutzung von Energiepflanzen aus der Landwirtschaft sehr bescheiden. Eine der Ursachen dafür ist die Natur: Die Umwandlung von Sonnenenergie in chemisch gebundene Energie (Biomasse) durch Pflanzen auf dem Wege der Photosynthese erfolgt mit einem Wirkungsgrad von weniger als 1 %. Hinzu kommen die Umwandlungsverluste auf dem Weg zur Endenergie. So beträgt durchschnittlich bei Biogasanlagen die nutzbare Endenergie netto, also nach Abzug der Herstellungsenergie (Agrardiesel für die Ackerbestellung, Ernte, Transporte etc.) nur etwa 0,2 % (in Worten: zwei Tausendstel) der auf den Energiepflanzenacker einwirkenden Sonnenenergie. Eine Klimabilanz mit Berücksichtigung indirekter Effekte wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit negativ. Allerdings ist die Erstellung einer realistischen Klimabilanz praktisch unmöglich, denn dafür müssten die indirekten Effekte quantifizierbar sein.

Ein schneller Ausstieg aus dem Energiepflanzenanbau ist beispielsweise aus Gründen des Bestandsschutzes nicht möglich. Um aber wenigstens langsam aus dieser Fehlentwicklung auszusteigen, statt sie weiter anzutreiben, wären mindestens erforderlich:

·      Ein striktes Importverbot für „Bio“-Kraft- und Brennstoffe aus Ländern, die ihre Wälder nicht schützen, und die Abschaffung jeglicher Beimischungsquoten für „Bio“-Sprit.

·      Streichung der garantierten Vergütung für Strom aus neuen Biogasanlagen im Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Für die bestehenden gilt ein Bestandsschutz.

·      Schaffung von Anreizen im EEG zur Umstellung bestehender Biogasanlagen auf biogene Reststoffe und Abfälle sowie auf Wildpflanzenmischungen.

·      Schaffung von Anreizen im EEG zur Umstellung bestehender Biogasanlagen von kontinuierlicher auf bedarfsgerechte Stromeinspeisung.

BB, Oktober 2013



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